Das wird EPISCH (Teil 4)

Während am vergangenen Samstag, die -vmtl. nicht minder epische- erste bzw. letzte SC der 2020er-Saision in Gütersloh ausgespielt wurde (Grüße gehen raus und Gratulation an Heidolon zum Sieg), hat Carnis sich am heimischen Spieltisch dem Solomodus des Trident-Angriffsschiffs gewidmet. Ob der auch episch ist? Das erfahrt ihr beim Weiterlesen.

Gespannt auf den Solomodus – ist dieser doch die Hauptmotivation gewesen, dass ich mir den Kraken gekauft habe – habe ich zunächst meine Feldherr-Tasche geöffnet, um zu schauen, welche Liste ich denn spielen sollte. Tatsächlich sprangen mir meine 3 Krabben entgegen, die ich damals auch gegen Luque196 im Finale der Münsteraner Liga gespielt habe (nachzulesen hier). Zufällig ist so ein maritimes Thema für mein Solospiel entstanden, was doch ganz gut zum Sommer passt.

Spoiler-Warnung:
Wenn ihr das Szenario selber spielen und euch komplett überraschen lassen wollt, dann lest den Artikel hier nicht. Ihr könnt das immer noch machen, wenn ihr mit eurem Spiel durch seid.

Anmerkung (06.07.21): Der gute Tellonius (Grüße an dieser Stelle) hat mich auf ein paar Fehler meinerseits (shame on me...) beim Spielen hingewiesen. Diese werden nachfolgend via (Edit: Text) adressiert und kommentiert.


Jagd auf den Riesen“ nennt sich das Solo-Szenario (welches man auch im Coop spielen kann). Das Narrativ für das Szenario ist, dass sich ein schreckliches Schiff in einem Sternennebel versteckt und man selbst die Aufklärer*innen, Kopfgeldjäger*innen, oder Sicherheitspatrouille spielt, die dieses Schiff finden und zur Strecke bringen soll.
Entsprechend teilt sich das Szenario in zwei Phasen. In der ersten muss man zunächst genug Hinweise sammeln, um das fragliche Schiff zu finden (es kann auch ab Spielrunde 2 zufällig erscheinen, in dem Fall hat man als Spieler*in dann einen gewissen Nachteil).
Also flugs das Szenario auf der Matte aufgebaut und die erste Irritation: Man soll 8 Hindernisse platzieren und auf jedem Hindernis einen Siegpunktmarker (jeder Marker repräsentiert einen Hinweis auf den Kraken) – in der Trident-Box sind selber aber nur 6 von den Markern. Nicht großartig tragisch, man hat entsprechende Marker auch in der Grundbox, aber unschön (Und ehrlich: Zwei Papptoken mehr hätten FFG/AMG/Asmodeee nicht arm gemacht…).
Bei mir sah das Szenario bei Spielbeginn so aus:

Szenariobeginn

Aufgabe des Szenarios ist es zunächst genügend Marker (min. 6) einzusammeln. Dies erfolgt, in dem man mit den eigenen Schiff auf Reichweite 0 -1 an eines der Hindernisse heranfliegt und in der Systemphase der nächsten Runde für den Preis eines Anstrengungsmarkers den Hinweis aufnehmt. Entsprechend ließ ich die Krabben auf jeweils unterschiedliche Hindernisse zufliegen:

Runde 1


Damit das Spiel kein Selbstläufer wird, wirft man in der Kampfphase zwei Angriffswürfel: Das jeweilige Ergebnis definiert die Handlungen der Hinterhaltsmarker (die roten und blauen Token auf dem Spielfeld), die dann Schiffe in ihren Feuerwinkeln angreifen. Diese verursachten aber keinen Schaden an meinen Schiffen.
In der Endphase würfelt man erneut Angriffswürfel in Höhen der Rundenanzahl, in der man sich gerade befindet. Das entsprechende Ergebnis definiert dann wieder, was passiert: So können sich z.B. die Hinterhaltmarkierungen bewegen oder drehen oder – wie oben schon angesprochen – der Kraken zufällig auftauchen.
In meinem Fall haben sich alle Hinterhaltmarkierungen um 90 Grad nach rechts gedreht

In Runde 2 haben die Krabben jeweils einen Anstrengungsmarker aufgenommen und dafür einen Anstrengungsmarker kassiert. Dann sind sie auf die nächsten Hindernisse zugeflogen.

Runde 2



In der Kampfphase der Runde hätten dieses Mal nur die roten Hinterhaltmarkierungen geschossen. Beide haben jedoch nichts im Feuerwinkel gehabt. Etwas ärgerlich, da die Krabben so auch die Anstrengungsmarker weiter mit sich herumschleppen mussten. (Edit: Anstrengungsmarker verschwinden nachdem man verteidigt oder ein blaues Manöver geflogen hat. Ich hab mir also – in der Theorie – das Spiel schwerer gemacht, als es ist…)
Auch der erwürfelte Effekt in der Endphase hat aufgrund mangelnder Ziele im Winkel nicht triggern können.

In Runde 3 sammelt jede Krabbe wieder einen Hinweis, was bedeutet, dass diese nun jeweils mit 2 Anstrengungsmarkern unterwegs sind (Edit: Siehe Anmerkung oben) aber eben auch insgesamt 6 Zielmarker gesammelt worden sind. Bedeutet: Nächste Runde erscheint der Kraken!

Die Kampfphase in Runde verläuft erneut ereignislos und da der Kraken in der Endphase erscheint, werden die Hinterhaltmarkierungen nun auch abgeräumt.

Der Kraken erwacht


Hier ist er also: Der Schrecken des Sternennebels. Krabbe vs. Krake, Carnis vs. ein A.I.-Kartendeck – Wer wird gewinnen?

Wie bereits im letzten Artikel dieser Reihe angesprochen (klick mich) besteht das Kartendeck, welches das Riesige Schiff steuert aus 6 Karten. Dieses definiert die Bewegungen des Schiffes und seine Aktion meistens in Abhängigkeit zu dem Schiff des*der Spielenden, welches die Aggressionsmarkierung des Kraken trägt (zu Beginn schlicht das nächstgelegene Schiff, später dann das, welches offene Schadenskarten drückt. Man kann aber auch selber die Markierung auf andere Schiffe verteilen – das bringt –zumindest in der Theorie- etwas strategisches Ressourcenmanagement in das Spiel). In seinem ersten Zug macht der Kraken bei mir das:

1. Aktivierung


Bei seiner Bewegung trifft der Kraken ein Hindernis. Dadurch verliert er – nach den Regeln für Riesige Schiffe – einen Schild und verliert auch eine Energie. Das Hindernis wird dann abgeräumt.
Dem Angriff meiner B-Krabbe auf Reichweite 3 weicht der Kraken tatsächlich aus, meine A-Krabbe zieht ihm aber noch zwei Schilde ab. Der Kraken selbst hat zwar nichts im Frontwinkel, haut aber mit seinem Bohrschnabel und einem Tentakel (jeweils ein Bonusangriff, ja, Riesige Schiffe dürfen das mehr als 1x müssen dafür aber immer eine Energie ausgeben) der A-Krabbe 5 Treffer. Bedeutet: A-Krabbe hat keine Schilde mehr und 2 Schaden an der Hülle – autsch.

Nach der Bewegung des Kraken


Die nächste Runde stellt mich erstmal vor ein Dilemma: Was mache ich mit der Aktivierungskarte des Kraken aus der vorherigen Runde? Packe ich sie einfach wieder unter sein Deck? Lege ich sie an den Spielfeldrand? Mische ich sie zufällig wieder in das Aktivierungsdeck? Leider schweigt sich das Szenarioheft dazu aus, je länger das Spiel aber dauern würde, desto wichtiger wäre es, was mit den Karten passieren soll. Legt man sie einfach drunter, dann kann man später im Spiel genau antizipieren, was der Kraken unternehmen wird. Ein zufälliges Reinmischen würde das Problem zumindest etwas umgehen. Ein Weglegen der gespielten Karte würde immerhin etwas Zeitdruck in das Szenario bringen. Aber: Es steht nichts dazu im Heft und auch nicht in der Rules Reference von FFG für Epische Schiffe (yeah, die auf der Webseite ist von Januar 2020…). Vielleicht bin ich einfach blöd oder blind oder beides, aber wie kann das beim Spieldesign und Playtesting übersehen werden? (Für den Fall, dass ich zu blöd bin, entschuldige ich mich und freue mich über Hinweise, wie man mit den Aktivierungskarten verfahren soll). Na ja, ich habe mich dann dazu – weil es mein erstes Spiel gewesen ist –  entschieden die Karte einfach unter das Deck zu packen.

Bei seiner Aktivierung in Runde 2 hat der Kraken eine rote Zwei rückwärts gemacht (entsprechend hat er dabei wieder eine Energie verloren).
Meine C-Krabbe eröffnete das Feuer auf den Leviathan des Sternennebels und zerstörte sein letztes Schild. Die B-Krabbe drückt ihm dann einen Treffer und einen kritischen Treffer, was dazu führt, dass der Aggressionsmarker wechselt (der Kraken greift -vereinfacht dargestellt – eigentlich immer das Schiff mit dem Marker an und kann dabei alle Fokusergebnisse in Treffer drehen).
Der Kraken selbst setzt wieder seinen Schnabel ein, erzeugt einen Treffer aber die B-Krabbe weicht aus. Für weitere Bonusangriffe fehlt dem Kraken leider die Energie und so geht es weiter in Runde 3.

In Runde 3 bewegt sich der Kraken weiter rückwärts und verstärkt nach vorne und nimmt ein rotes Ausweichen (verliert also wieder Energie). Die A-Krabbe drückt dem Riesigen Schiff trotz der Token einen Schaden. Die B-Krabbe schießt in den unverstärkten Rücken des Biestes: Hit-Hit und ein Crit. Beim Crit triggert auch noch der Präzisionsschusseffekt und sorgt dafür, dass der Bohrschnabel offline geht (in einem normalen Epic-Spiel könnte man das dann reparieren, der A.I.-Kraken hat im Solo-/Coop-Modus aber keine Mechanik dafür…). Anschließend drückt auch noch die C-Krabbe 3 Treffer in das verwundbare Heck des Riesigen Schiffs. Der Kraken ist somit bereits jetzt auf einer Hülle.
Er selbst schießt auf primär auf die B-Krabbe, diese weicht dem einen Treffer aber problemlos aus und auch dem folgenden müden Tentakelhieb auf die C-Krabbe wird ausgewichen.

Der Kraken ist auf einer Hülle

 

Tatsächlich bin ich bereits seit geraumer Zeit von dem Solospiel gelangweilt und so entschließe ich mich einfach meine Krabben in den Kraken bumpen zu lassen. Nach den Regeln für Riesige Schiffe muss dieses dann nämlich in Abhängigkeit zur Basegröße des bumpenden Standardschiffs Angriffswürfel werfen und würde für jedes Crit-Ergebnis tatsächlich auch einen kritischen Treffer nehmen (beim normalen Treffer bekommt es nur Stress). Umgekehrt bedeutet das aber, dass das bumpende Standardschiff Schaden in Höhe des aufgedeckten Manöverrades des Riesigen Schiffes kassiert.
Tja, aber was passiert, wenn a.) kein Manöverrad offen liegt, weil der Kraken im Solomodus über die Aktivierungskarten fliegt und b.) ohnehin erst auf Initiative 8 aktiviert wird??? Wieder bin ich entweder zu blöd oder blind oder beides, denn ich finde im Szenarioheft nichts zu diesem Sachverhalt und die FFG-Rules Reference schweigt sich auch aus. Bekomme ich dann einfach Schaden in Höhe des letzten Manövers? (Edit: Tatsächlich kann man dazu nichts finden, da Standardschiffe Riesige Schiffe nach den normalen Überschneidungsregeln überschneiden. Sie verursachen also leider keinen Schaden an den großen Pötten. Da hatte ich a.) das Regelheft zu unaufmerksam gelesen und b.) war zu sehr bei dem A-Wing, der in Die Rückkehr der Jedi-Ritter die Executor sprengt…) So oder so ist die C-Krabbe unverletzt, sodass nichts spielentscheidendes passieren würde, leider würfele ich nur zwei normale Treffer (was aber immerhin schon mal dazu führt, dass der Kraken wieder bar jeglicher Energie ist. Edit: Falsch – s.o.)). Die B-Krabbe würfelt dann bei ihrem Bump den benötigten Crit und das Riesige Schiff explodiert (Edit: Falsch – s.o. Am grundsätzlichen Spielausgang hätte das aber auch nichts geändert, da die Wahrscheinlichkeit mit vmtl. 3×3 Angriffswürfel primär [der Kraken hätte sich ja noch bewegt und hätte dabei u.U. die Überschneidungen wieder aufgelöst] + ggf. der Möglichkeit im Zweifel drei Bonusangriffe zu machen – dem Kraken den letzten Schaden zu drücken doch als eher hoch einzuschätzen ist.  ). Wow…war das langweilig…

Bump ftw.!


Ach am Ende zählt man ja noch die Siegpunktmarken zusammen: Ich habe 150 Punkte gesammelt. Das Abschießen des Krakens beendet übrigens nur das Spiel und bringt keine Punkte mehr ein. Wie sagt das Szenario: „Versucht beim nächsten Mal, noch besser zu sein“.
Ja, garantiert nicht…dafür ist mir meine Zeit zu kostbar.

Fazit:
Man mag sich gewundert haben, warum AMG so wenig Marketingaktivitäten um den Kraken gezeigt hat. Gerade die neuen Spielmodi hätten ja als Selling-Point gut beworben werden können – wenn sie denn was könnten. Leider ist der Solo-Modus hanebüchen langweilig und belanglos und offenbart – nach meinem jetzigen Verständnis –  (s.o.) auch einige Regelunklarheiten, die nicht gerade für das Spieldesign und Playtesting sprechen (sorry, es kann doch nicht sein, dass ich der einzige Idiot auf dem Planeten bin, der sich die genannten Fragen stellt oder doch?
Edit: Doch, offensichtlich bin ich der einzige Idiot auf diesem Planeten – s. Anmerkungen oben. Mea culpa!
). Szenariophase I hat in meinen Augen nur den Zweck Anstrengungsmarker auf den Spieler*innen-Schiffen zu verteilen, damit es dann gegen den Kraken schwieriger wird. Phase 2 mag je nach Würfelergebnissen oder gespielter Lister schwieriger sein, Spaß kam aber bei mir zu keiner Zeit auf.
Ärgerlich, dass meine Hauptmotivation für die doch höhere Geldausgabe (jo, ich hab 99,99 Euro für das Ding gezahlt – weil Support your local dealer, wenn du es dir leisten kannst) mich so dermaßen enttäuscht hat (Glücklicherweise hat unser Luque196 bereits signalisiert für einen 5. Teil dieser Reihe gegen mich Epic zu spielen – wir müssen nur noch einen Termin finden).

Kann ich abschließend was versöhnliches sagen? Tatsächlich dachte ich beim Spielen des Solomodus, wie cool dieser gewesen wäre als ich damals angefangen habe. Man lernt in Phase 1 spielerisch und ohne großen Stress die Grundlagen vom Bewegen (inkl. dem Abschätzen von Manövern im Verhältnis zu Hindernissen) und Verteidigen und Phase 2 bringt einem dann die Grundlagen für Riesige Schiffe und die Kampfphase bei.
Sollte AMG/Asmodee vielleicht an einer neuen Grundbox für X-Wing arbeiten und sollte die preislich vielleicht ähnlich liegen können/dürfen wie eine z.B. Warhammer-Grundbox (inkl. der entsprechenden Ersparnis auf den Einzelpreis der Miniaturen), dann würde ich empfehlen:

Packt je 200 Punkte Imperium und Rebellen und ein kleineres Epic-Schiff mit den A.I.-Regeln in die Box und ihr hättet ein wirklich gutes Neueinsteiger*innen-Paket, wenn ihr es nicht zu teuer macht (und das Release an den kommenden Star Wars X-Wing-Film koppelt).

Für Veteran*innen, die sich nach 1,5 Jahre Corona-Einschränkungen (und ggf. mit Ausblick auf die Ereignisse die ggf. im Herbst auf uns zukommen) einen Solomodus für das Schubsen von Modellen ins Haus holen wollten, ist die Box leider zu teuer und der Modus zu langweilig. (Edit: Tellonius hat sich mit seinem Spielpartner allerdings schon einige Ideen überlegt, wie man das Szenario schwieriger gestalten kann udn hat mir die Ideen freundlicherweise gepitcht – ggf. spiele ich das Szenario damit nochmal)

Frequente Epic-Spieler*innen und Sammler*innen dürfte somit die alleinige Zielgruppe der Box sein. Ob diese aber wirklich so zahlreich sind, um den Kraken-Release finanziell erfolgreich zu machen, sei mal dahin gestellt…

Aber wie seht ihr das? Habt ihr euch den Kraken geholt? Wie fandet ihr den Solo-Modus? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Bis dahin: Bleibt gesund, achtsam, genießt den Sommer und die ersten physischen X-Wing-Turniere!

Fly casual
Carnis/Sebastian















 

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